Geschäftsbericht 2017

Unternehmensspezifische Risiken und Chancen

Im folgenden Abschnitt wird auf die unternehmensspezifischen Risiken und Chancen des Daimler-Konzerns eingegangen. Eine Quantifizierung dieser Risiken und Chancen ist in Tabelle B.59 dargestellt.

B.59 Unternehmensspezifische Risiken/Chancen

Risikokategorie Eintrittswahrscheinlichkeit Ausmaß Chancenkategorie Ausmaß
         
Produktions- und Technologierisiken niedrig hoch Produktions- und Technologiechancen
Informationstechnische Risiken niedrig mittel Informationstechnische Chancen
Personalrisiken niedrig niedrig Personalchancen
Risiken aus Beteiligungen/Kooperationen niedrig mittel Chancen aus Beteiligungen/Kooperationen niedrig

Produktions- und Technologierisiken und -chancen

Wesentliche Erfolgsfaktoren bei der Durchsetzung des gewünschten Preisniveaus für die Produkte des Daimler-Konzerns und folglich für die Erreichung der Unternehmensziele sind das Markenimage, das Design, die Qualität und damit die Kundenakzeptanz der erzeugten Produkte sowie technische Merkmale auf der Basis innovativer Forschung und Entwicklung. Überzeugende Lösungen, die zum Beispiel ein unfallfreies Fahren unterstützen oder das Verbrauchs- und Emissionsverhalten der Produkte weiter verbessern, wie Hybrid- und Elektrofahrzeuge, sind für eine sichere und nachhaltige Mobilität von zentraler Bedeutung. Innovationen und Technologiechancen zur fortschrittlichen und zukunftsfähigen Gestaltung der Produktpalette fließen in die strategische Produktplanung der automobilen Geschäftsfelder ein. Aufgrund der steigenden technischen Komplexität, des kontinuierlich wachsenden Umfangs an zu erfüllenden Emissions-, Verbrauchs- und Sicherheitsanforderungen und des Anspruchs, die Qualitätsstandards des Daimler-Konzerns einzuhalten und stetig zu erhöhen, unterliegt die Einführung und Herstellung der Produkte in den automobilen Geschäftsfeldern jedoch auch Produktions- und Technologierisiken.

Im Rahmen von Produkteinführungen müssen die benötigten Bauteile und Ausstattungsumfänge verfügbar sein. Zur Vermeidung diesbezüglicher Restriktionen werden zugehörige Prozesse stetig evaluiert und verbessert. Um die langfristige Zukunftsfähigkeit der Produktionsanlagen zu sichern und auszubauen, erfolgen bei Bedarf Modernisierungen sowie Ausbau-, Aufbau- und Umstrukturierungsaktivitäten. Mit der Durchführung der Modernisierungsmaßnahmen und Neueinführung von Produkten sind in der Regel hohe Investitionen verbunden. Es kann dabei zum Beispiel aufgrund von Vorgaben, werkseitigen Umbaumaßnahmen sowie Verzögerungen in den Anlaufphasen einer Neuerung oder im Produktlebenszyklus zu einer kurzfristigen Verringerung des Produktionsniveaus kommen. Betroffen sind automobile Geschäftsfelder, die aktuell ein Produkt neu einführen beziehungsweise eine Produkteinführung oder einen entsprechenden Produktionsaufbau geplant haben. Zu berücksichtigen sind hierbei auch Abhängigkeiten von Vertrags- und Kooperationspartnern sowie mögliche Veränderungen regionaler Rahmenbedingungen, die in die lokalen Entscheidungsprozesse einbezogen werden müssen.

Prinzipiell besteht die Gefahr, dass aufgrund von Infrastrukturproblemen oder Ausfällen bei Produktions- oder Fabrikanlagen intern Engpässe entstehen und folglich Kosten anfallen. Bei parallelem Ausfall mehrerer Anlagen könnten sich entsprechende Effekte summieren. Diese Risiken bestehen vorrangig für das Segment Mercedes-Benz Cars. Die Produktionsanlagen werden fortwährend gewartet und modernisiert. Für potenziell betroffene Anlagen werden präventiv Ersatzteile vorgehalten sowie bei Bedarf redundante Maschinen beschafft.

Die fehlende Verfügbarkeit von Fahrzeugkomponenten zum richtigen Zeitpunkt, Unterbrechungen in der Zulieferkette sowie mögliche Ausfälle in der Versorgung durch Energieanbieter können insbesondere im Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars Engpässe hervorrufen. Zur Vermeidung solcher Engpasssituationen wird Wert darauf gelegt, dass Kapazitätsengpässe durch vorausschauende Planung ausgeglichen werden können. Zudem werden im Rahmen des Managements der gesamten Wertschöpfungskette Zulieferwege sowie die Lieferbarkeit und Qualität von Produkten kontinuierlich überwacht. Zur Risikoprävention besteht ein Lieferantenmanagement, mit dem Ziel gegebenenfalls die Lagerbestände rechtzeitig zu erhöhen und alternative Zulieferwege aufbauen zu können.

Garantie- und Kulanzfälle könnten im Daimler-Konzern entstehen, wenn die Qualität der Produkte nicht den Anforderungen entspricht, Vorschriften nicht vollständig eingehalten werden oder die Unterstützung bei Problemen und der Pflege der Produkte nicht in der benötigten Form gewährt werden kann. Auch Qualitätsprobleme bei in Fahrzeugen verbauten Zulieferteilen – wie beispielsweise im Zusammenhang mit den industrieweiten Problemen bei Takata-Airbags – können technische Anpassungen erfordern, die zu erheblichen finanziellen Belastungen führen können. Mögliche Ansprüche werden beim Auftreten solcher Risiken geprüft und bei Bedarf notwendige Maßnahmen bezogen auf betroffene Produkte eingeleitet. Dies kann die Profitabilität der Produkte reduzieren sowie Folgekosten erzeugen. Der Daimler-Konzern arbeitet stetig und intensiv daran, die Produktgüte bei gleichzeitig wachsender Produktkomplexität auf einem sehr hohen Niveau zu halten, um korrigierende Maßnahmen am Endprodukt zu vermeiden und damit dem Kunden das bestmögliche Produkt zu liefern.

Die Produktions- und Technologierisiken sind segmentübergreifend bezogen auf das Ausmaß und die Eintrittswahrscheinlichkeit gegenüber dem Vorjahr unverändert.

Informationstechnische Risiken und Chancen

Die bei Daimler konsequent verfolgte Digitalisierungsstrategie bietet neue Möglichkeiten für die Steigerung des Kundennutzens und des Unternehmenswerts. Damit verbunden sind auch Risiken, die sich aus der zunehmenden informationstechnischen Abhängigkeit der Produkte sowie der Geschäfts- und Produktionsprozesse ergeben. Hinzu kommen spezifische Risiken aufgrund der Verwendung und Verfügbarkeit neuer Technologien im Rahmen der Digitalisierung, die unter anderem die Produkte, deren Nutzung oder das operative Geschäft beeinträchtigen können. Darüber hinaus können Risiken aus Cyber-Kriminalität und Hacker-Angriffen nicht ausgeschlossen werden.

Für die Daimler AG als global agierendes Unternehmen ist es von zentraler Bedeutung, dass Informationen aktuell, vollständig und korrekt vorgehalten und ausgetauscht werden können. Hierfür müssen, dem Schutzbedarf der Informationen entsprechend, gesicherte IT-Systeme und eine zuverlässige IT-Infrastruktur betrieben werden. Der Konzern beabsichtigt Risiken, die im Schadensfall eine Unterbrechung der Geschäftsprozesse aufgrund von IT-System-Ausfällen zur Folge haben oder den Verlust und die Verfälschung von Daten verursachen könnten, über den gesamten Lebenszyklus der Applikationen und IT-Systeme hinweg zu identifizieren und zu bewerten.

Aufgrund der wachsenden Anforderungen an Vertraulichkeit, Integrität und Verfügbarkeit von Daten hat die Daimler AG vielfältige präventive und korrektive Maßnahmen definiert, um damit verbundene Risiken zu minimieren sowie mögliche Schäden zu begrenzen. Diese Maßnahmen werden laufend an die sich verändernden Umstände angepasst. Zum Beispiel minimiert der Konzern potenzielle Störungen der betrieblichen Abläufe in Rechenzentren durch gespiegelte Datenbestände, dezentrale Datenhaltung, ausgelagerte Datensicherung und hochverfügbar ausgelegte IT-Systeme. Es werden Notfallpläne erstellt, Mitarbeiter geschult und sensibilisiert sowie weitere technische und organisatorische Vorkehrungen getroffen, um handlungsfähig zu bleiben. In einem zentralen Cyber Security Center werden spezifische Bedrohungen analysiert und Gegenmaßnahmen koordiniert. Der Schutz der Produkte und Dienstleistungen vor Gefährdungen durch Hacker-Angriffe und Cyber-Kriminalität wird kontinuierlich ausgebaut.

Trotz aller Vorkehrungen können Störungen in der Informationsverarbeitung und dadurch negative Auswirkungen auf die Geschäftsprozesse und auf IT-basierte Dienstleistungen nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Ausmaß und Eintrittswahrscheinlichkeit der IT-Risiken sind im Vergleich zum Vorjahr unverändert.

Personalrisiken und -chancen

Der Erfolg des Daimler-Konzerns ist wesentlich von seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und deren Know-how abhängig. Täglich bringen sie sich mit ihren Vorstellungen und Ideen in die jeweiligen Tätigkeiten und Arbeitsprozesse ein und tragen damit wesentlich zu Verbesserungen und Innovationen bei.

Der Wettbewerb um hoch qualifizierte Mitarbeiter und Führungskräfte ist in der Branche und in den Regionen, in denen Daimler tätig ist, nach wie vor sehr stark. Der künftige Erfolg hängt auch davon ab, inwiefern es gelingt, Fachpersonal einzustellen, zu integrieren und dauerhaft an das Unternehmen zu binden. Die etablierten Personalinstrumente berücksichtigen solche bestehenden Personalrisiken, tragen zu einer gezielten Nachwuchs- und Know-how-Sicherung bei und stellen gleichzeitig die Transparenz über die Ressourcen sicher. Ein Schwerpunkt des Personalmanagements liegt in der zielgerichteten Personalentwicklung und Weiterbildung der Belegschaft des Unternehmens. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter profitieren dabei unter anderem von den Angeboten der Daimler Corporate Academy und der Transparenz, die im Rahmen des Performance-Managements geschaffen wird. In einem konzernweiten Projekt werden aktuell die Führungskultur und -prinzipien weiterentwickelt.

Die demografische Entwicklung zwingt das Unternehmen, mit den Veränderungen durch eine älter werdende Belegschaft umzugehen und einen qualifizierten Fach- und Führungskräftenachwuchs zu sichern. Dies wird durch Maßnahmen im Generationenmanagement adressiert. Bei Eintritt des Risikos ist abhängig von der Tragweite der Personalengpässe mit einer Einflussnahme auf die unternehmerische Tätigkeit und folglich auch auf das Ergebnis des Daimler-Konzerns zu rechnen.

Eine segmentierte Beurteilung des Personalrisikos wird nicht vorgenommen, da sich die beschriebenen Risiken nicht fokussiert auf ein bestimmtes Geschäftssegment beziehen, sondern jeweils regional eine segmentübergreifende Gültigkeit haben. Die Personalrisiken reduzieren sich insgesamt im Vergleich zum Vorjahr in Bezug auf das Ausmaß von »mittel« auf »niedrig«. Die Eintrittswahrscheinlichkeit bleibt unverändert.

Risiken und Chancen aus Beteiligungen und Kooperationen

Die Zusammenarbeit mit Partnern in Beteiligungen (assoziierten Unternehmen, Gemeinschaftsunternehmen und gemeinschaftlichen Tätigkeiten) und Kooperationen ist für Daimler von zentraler Bedeutung. Neben einem besseren Zugang zu Wachstumsmärkten und neuen Technologien dienen Beteiligungen und Kooperationen der Nutzung von Synergieeffekten und der Verbesserung von Kostenstrukturen, um der Wettbewerbssituation in der Automobilindustrie erfolgreich zu begegnen. Über Investitionen in Start-ups fördert Daimler innovative Ansätze in vielen Bereichen des Konzerns.

Der Daimler-Konzern partizipiert grundsätzlich entsprechend seiner jeweiligen Anteilsquote an den Risiken und Chancen aus Beteiligungen.

Durch die Neubewertung einer Beteiligung können sich Risiken und Chancen bezogen auf den Beteiligungsbuchwert für das Segment, dem die Beteiligung zugerechnet wird, ergeben. Aus der Geschäftstätigkeit, einem Verkauf oder Kauf einer Beteiligung könnten zudem finanzielle Verpflichtungen oder ein zusätzlicher Finanzierungsbedarf, aber auch höhere Erträge oder Liquiditätszuflüsse entstehen, die die geplanten Zielsetzungen übertreffen. Entsprechende Risiken sind auch generell mit Investitionen in Start-ups verbunden, deren weitere Entwicklung noch nicht vollständig absehbar ist. Risiken bestehen bei den Segmenten Mercedes-Benz Cars, Daimler Trucks, Mercedes-Benz Vans und Daimler Financial Services sowie bei direkt dem Konzern zugerechneten Beteiligungen. Alle Beteiligungen unterliegen einem kontinuierlichen Überwachungsprozess, um sie bei Bedarf zeitnah zu unterstützen und deren Profitabilität sicherzustellen. Auch die Werthaltigkeit der Investitionen wird laufend überwacht.

Aufgrund der Wertentwicklung des börsennotierten Portfolios und der zunehmenden, risikobehafteten Investitionen in Start-ups erhöht sich das Ausmaß der Risiken in dieser Kategorie im Vergleich zum Vorjahr von »niedrig« auf »mittel«. Die Eintrittswahrscheinlichkeit bleibt unverändert.

Zurück
Finanz­­wirtschaftliche Risiken und Chancen
Umfeld- und Branchenrisiken und -chancen