Geschäftsbericht 2017

Klimaschutz

Produktentwicklung

Bereits in den ersten Phasen der Entwicklung entscheidet sich weitgehend, welche ökologischen Lasten ein Fahrzeug verursacht. Je früher die umweltgerechte Produktentwicklung (Design for Environment, DfE) in den Entwicklungsprozess integriert ist, desto effizienter können die Umweltauswirkungen minimiert werden.

Für jedes Fahrzeugmodell und jede Motorisierungsvariante legen Anforderungskataloge, sogenannte Lastenhefte, die zu realisierenden Eigenschaften und Zielwerte fest. Dazu gehören unter anderem Vorgaben zu Kraftstoffverbrauch, CO2-Emissionen sowie Schadstoffgrenzwerten für Stickoxide. Im Lauf des Entwick­lungsprozesses überprüfen wir regelmäßig die Einhaltung dieser Vorgaben.

In einem unmittelbar unterhalb der Vorstandsebene angesiedelten Gremium bewerten die Verantwortlichen jeder Fahrzeugbau­reihe die Ergebnisse dieser Überprüfung und entscheiden über eventuell nötige Korrekturmaßnahmen. Sind Korrekturen erforderlich, wird das zuständige Vorstandsmitglied und bei weiterer Eskalation auch das jeweils zuständige Leitungsgremium des Geschäftsfeldes einbezogen.

Der CO2-Prozess in der Fahrzeugentwicklung

Die Einbindung aller fahrzeugbezogenen Ziele, einschließlich der umweltrelevanten Ziele, in den Fahrzeugentwicklungsprozess erfolgt in allen Geschäftsfeldern nach einem ähnlichen Muster. Abbildung E.01 zeigt beispielhaft das Mercedes-Benz Development System (MDS).

Daimler GB2017 E.01 Fahrzeug Produktentwicklungsprozess fuer Einzelfahrzeuge

Für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge gibt es in vielen Märkten Kraftstoffverbrauchs- und CO2-Flottenziele, das heißt ein Gesamtziel für alle im Markt verkauften Fahrzeuge. Nachfolgend wird die entsprechende Steuerung zur Erreichung des CO2-Flottenverbrauchszieles am Beispiel Pkw Europa (EU-28) dargestellt.

Maßgeblich für die Zielwerte beim Kraftstoffverbrauch und bei den CO2-Emissionen sind technologische Möglichkeiten, gesetz­liche Vorgaben inklusive der Flottenverbrauchsziele sowie Kundenwünsche. Für die Einhaltung der Ziele ist der CO2-Steuer­kreis verantwortlich, der vom Vorstandsmitglied für Konzernforschung und Mercedes-Benz Cars Entwicklung geleitet wird.

Grundlage für die Berechnung der CO2-Flottenwerte sind die Verbrauchswerte der am Markt erhältlichen Fahrzeuge sowie die Verbrauchsvorgaben- und prognosen der noch in der Entwicklung befindlichen Fahrzeuge. In Verbindung mit den Absatzprognosen ergeben sich hieraus die prognostizierten CO2-Flottenverbrauchswerte.

Verschiedene äußere Impulse, wie zum Beispiel Änderungen der Absatzstruktur oder auch der politischen Rahmenbedingungen, aber auch Änderungen bei den Verbrauchszielwerten der noch in der Entwicklung befindlichen Fahrzeuge können eine Abweichung der prognostizierten Zielwerte bewirken. In diesem Fall veranlasst der CO2-Steuerkreis die Prüfung verschiedener Optionen und entscheidet über die einzuleitenden Maßnahmen. Bei besonders gravierendem Anpassungsbedarf erfolgt eine Eskalation in das zuständige Leitungsgremium. Strategisch umfasst dieser Prozess einen Zeitraum von rund zehn Jahren.

CO2-Emissionen bei Pkw: 125 g/km

Wir arbeiten intensiv daran, den Verbrauch unserer Fahrzeuge zu senken. Bereits im Jahr 2015 hatten wir bei den CO2-Emissionen der in der EU neu zugelassenen Fahrzeuge von Mercedes-Benz Cars im Durchschnitt 123 g/km erreicht und damit unser ursprüngliches Ziel von 125 g/km für das Jahr 2016 schon vorzeitig unterschritten. Im Jahr 2017 war ein leichter Anstieg auf 125 g/km durch die Absatzverschiebung in Richtung hochwertiger ausgestatteter Fahrzeuge zu verzeichnen.

Neuer Testzyklus WLTP

Seit September 2017 werden alle neuen Pkw-Modelle in Europa nach dem »Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure« (WLTP) zertifiziert. Dieses Prüfverfahren beinhaltet gegenüber dem bisherigen »Neuen Europäischen Fahrzyklus« (NEFZ) zahlreiche Änderungen. Dazu gehören unter anderem eine höhere Durchschnitts- und Spitzengeschwindigkeit, mehr Dynamik im Fahrverhalten, gleitende Schwungmassen statt Schwungmassenklassen, ein geringerer Stillstandsanteil sowie die Berücksichtigung von Sonderausstattungen und Ruhestrombedarf. Insgesamt führt all dies zu realitätsnäheren, aber auch höheren Verbrauchswerten.

Um vergleichbare Werte zu erhalten, werden die Flottenemissionen der Fahrzeughersteller nun von den Zertifizierungswerten im WLTP auf die CO2-Flottenwerte im NEFZ zurückgerechnet. Die Umstellung auf WLTP beinhaltet für alle Fahrzeughersteller grundsätzlich eine deutliche Verschärfung der Anforderungen hinsichtlich des Kraftstoffverbrauchs und somit der CO2-Emissionen in der Flotte. Im Jahr 2017 wirkt sich diese Umstellung jedoch noch nicht signifikant aus. Mit umfassenden Investitionen in innovative Antriebstechnologien und einer umfassenden Erweiterung der Produktpaletten mit mehr als 50 elektrifizierten Modellen bereitet sich Daimler/Mercedes-Benz Cars vor, um die verschärften Zielwertvorgaben der EU erreichen zu können. Gleichzeitig führt die starke Kundennachfrage nach SUVs zu einer strukturellen Mix-Verschiebung in Richtung Mittelklasse/Oberklasse, was eine wesentliche Herausforderung darstellt, die Zielwertvorgaben der Europäischen Union in 2021 einzuhalten.

Wir arbeiten weiter mit Nachdruck daran, alle gesetzlichen CO2-Vorgaben, auch die sehr anspruchsvollen EU-Grenzwerte für 2021, zu erfüllen. Wie wir immer wieder betonen, ist die Erfüllung dieser anspruchsvollen Flottenziele neben dem reinen Angebot attraktiver und hocheffizienter Produkte mit elektrifiziertem Antrieb unsererseits stark abhängig von der tatsächlichen Kaufentscheidung unserer Kunden für diese Modelle. Um hier bestmöglich aufgestellt zu sein, stellen wir unser Produktportfolio konsequent auf die neuesten Motorengenerationen um und bauen es zudem konsequent in Richtung Elektrifizierung durch Plug-in Hybride und rein elektrische Fahrzeuge aus. (Vgl. Nachhaltigkeit und Integrität)

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