Geschäftsbericht 2017

Forschung und Entwicklung

Forschung und Entwicklung als Erfolgsfaktor

Forschung und Entwicklung haben bei ­Daimler seit jeher einen zentralen Stellenwert. Vor mehr als 130 Jahren haben Gottlieb ­Daimler und Carl Benz das Automobil erfunden. Nun gestalten wir die Zukunft der Mobilität. Es ist unser Ziel, unseren Kunden faszinierende Produkte und maßgeschneiderte Lösungen für eine bedarfsgerechte, sichere und nachhaltige Mobilität anzubieten. Darauf richten wir unser Technologieportfolio und unsere Kernkompetenzen aus.

Wesentliche Faktoren für den Markterfolg unserer Fahrzeuge sind das Know-how, die Kreativität und die Motivation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Forschung und Entwick­lung. Zum Jahresende 2017 arbeiteten bei ­Daimler weltweit 24.600 (i. V. 24.200) Personen in Forschungs- und Entwicklungsbereichen. 16.800 (i. V. 16.300) Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter waren im Ressort Konzernforschung & Mercedes-Benz Cars Entwicklung tätig, 5.300 (i. V. 5.600) Beschäftigte sind dem Geschäftsfeld ­Daimler Trucks zuzurechnen, 1.300 (i. V. 1.200) dem Geschäftsfeld Mercedes-Benz Vans und 1.200 (i. V. 1.200) ­Daimler Buses. Rund 5.200 (i. V. 5.400) Forscher und Entwickler waren außerhalb Deutschlands beschäftigt.

Internationales Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk

Unser globales Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk umfasst 35 Standorte in 15 Ländern. Die größten Standorte sind ­Sindelfingen und Stuttgart-Untertürkheim in Deutschland. Unsere wichtigsten Forschungseinrichtungen in Nordamerika sind die Zentrale in Sunnyvale/Kalifornien sowie die Standorte Long Beach/Kalifornien, Portland/Oregon und Redford/Michigan. In Asien sind Bangalore, Indien, das Global Hybrid Center in Kawasaki, Japan, und unser Forschungs- und Entwicklungszentrum in Peking die bedeutendsten Standorte. Mercedes-Benz Research & Development India (MBRDI) mit Sitz in Bangalore ist das größte Forschungs- und Entwicklungszentrum von ­Daimler außerhalb Deutschlands. Die Schwerpunkte des MBRDI liegen auf den Gebieten Digitalisierung, Simulation und Data Science. Auch Mercedes-Benz Research & Development China ist ein integraler Bestandteil des Forschungsnetzwerks des Daimler-Konzerns. Es spielt eine wichtige Rolle für das Verständnis der Erwartungen chinesischer Kunden und der lokalen Anforderungen. Zusätzlich zu unseren internen Aktivitäten pflegen wir intensive Kontakte zu externen Forschungseinrichtungen. So arbeiten wir weltweit mit verschiedenen renommierten Forschungsinstituten zusammen und beteiligen uns an internationalen Austauschprogrammen für Nachwuchswissenschaftler. Neu hinzugekommen sind im November 2017 unsere Digital Hubs in Tel Aviv und Seattle.

Zielgerichtete Einbindung der Zulieferindustrie

Um unsere anspruchsvollen Ziele zu erreichen, arbeiten wir auch intensiv mit den Forschungs- und Entwicklungsbereichen der Zulieferindustrie zusammen. Gerade mit Blick auf den rasanten technologischen Wandel in der Automobilindustrie und die Notwendigkeit, neue Technologien möglichst schnell zur Marktreife zu bringen, ist eine enge Verzahnung mit Zuliefer­firmen unabdingbar. Dies gilt auch im Hinblick auf die fortschreitendende Digitalisierung der Prozesse über alle Stufen der Wertschöpfungskette hinweg. Darüber hinaus sind für uns ­leistungsfähige Partner aus der Zulieferindustrie unverzichtbar, wenn es um die Entwicklung und Bereitstellung neuer Konzepte für die Mobilität der Zukunft geht. Im Rahmen der gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsarbeit verfolgen wir das Ziel, dass die Kernkompetenzen für Technologien, die für die Zukunft des Automobils insgesamt und die Einzigartigkeit unserer Marken wichtig sind, im Unternehmen bleiben.

Daimler GB2017 B.36 Forschungs und Entwicklungsleistungen

B.37 Forschungs- und Entwicklungsleistungen nach Geschäftsfeldern

  2017 2016 17/16
in Millionen €     Veränd. in %
       
­Daimler-Konzern 8.711 7.572 +15
davon aktiviert 2.773 2.315 +20
Mercedes-Benz Cars 6.642 5.671 +17
davon aktiviert 2.388 2.008 +19
­Daimler Trucks 1.322 1.265 +5
davon aktiviert 45 57 -21
Mercedes-Benz Vans 565 442 +28
davon aktiviert 310 238 +30
­Daimler Buses 194 202 -4
davon aktiviert 30 11 +173

Handlungsfreiheit und Markensicherung im Mittelpunkt der Patentarbeit

Am 29. Januar 1886 meldete Carl Benz sein »Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb« zum Patent an. Seither haben wir mit weit über 114.000 Patentanmeldungen das Automobil weiterent­wickelt und zukunftsweisende Innovationen auf den Weg gebracht. Auch im Jahr 2017 haben wir diese Tradition fortgesetzt und nahezu 1.900 weitere neue Ideen zum Patent angemeldet – zunehmend mit Fokus auf den CASE-Technologien. Sie sind für das Unternehmen vor allem aus zwei Gründen wichtig: Einerseits sichern sie Daimler »Handlungsfreiheit« – mit dem Ziel, unsere Produkte weltweit herstellen und verkaufen zu können und nicht mit Rechten Dritter in Konflikt zu kommen. Andererseits ermöglichen sie »Exklusivität« – mit dem Ziel einer exklusiven Positionierung ausgewählter Daimler-Features auf dem Markt und einer Differenzierung zum Wettbewerb. Über die technischen Schutzrechte hinaus, die unsere Innova­tionen für die Mobilität der Zukunft langfristig sichern, wird die Einzigartigkeit der Produkterscheinung mit mehr als 7.800 (i. V. 9.100) eingetragenen Designs abgesichert. Der Rückgang resultiert vor allem aus der Überarbeitung unserer Schutzrechtsstrategie. Unser Portfolio von weltweit mehr als 35.800 (i. V. 32.800) Markenschutzrechten dient dem Schutz der Marke Mercedes-Benz, unserer neuen Marke EQ für die Elektromobilität sowie aller übrigen Produktmarken in den relevanten Märkten.

8,7 Mrd. € für Forschung und Entwicklung

Auch in den kommenden Jahren wollen wir die Mobilität mit richtungsweisenden Innovationen aktiv mitgestalten und damit einhergehend die Digitalisierung im gesamten Unternehmen vorantreiben. Wie im Geschäftsbericht 2016 angekündigt, haben wir deshalb die Forschungs- und Entwicklungs­leistungen im Jahr 2017 von dem bereits sehr hohen Niveau ausgehend nochmals um 15 % auf 8,7 Mrd. € erhöht. 2,8 (i. V. 2,3) Mrd. € davon wurden als Entwicklungskosten aktiviert; das entspricht einer Aktivierungsquote von 32 (i. V. 31) %. Die Abschreibungen auf aktivierte Forschungs- und Entwicklungsleistungen erreichten im Berichtsjahr 1,3 (i. V. 1,3) Mrd. €. Auch gemessen am Umsatz bewegten sich die Forschungs- und Entwicklungsleistungen mit einer Quote von 5,3 (i. V. 4,9) % weiterhin auf einem hohen Niveau. Schwerpunkte waren neue Fahrzeugmodelle, besonders kraftstoffeffiziente und umweltschonende Antriebe sowie neue Sicherheitstechnologien, das autonome Fahren und die digitale Vernetzung unserer Produkte.

Bei Mercedes-Benz Cars standen die Nachfolgemodelle der Geländewagen GLS und GLE, die neue Kompaktklasse, die Elektromarke EQ sowie die neue Generation von Diesel- und Benzinmotoren im Vordergrund. Außerdem investieren wir in die Konnektivität unserer Fahrzeuge, das autonome Fahren sowie weitere innovative Sicherheitstechnologien. Insgesamt waren die Forschungs- und Entwicklungsleistungen bei ­Mercedes-Benz Cars mit 6,6 (i. V. 5,7) Mrd. € nochmals deutlich höher als im Vorjahr. ­Daimler Trucks hat 1,3 Mrd. € in Forschungs- und Entwicklungsprojekte investiert. Die wichtigsten Projekte lagen hier in den Bereichen Emis­sionsstandards und Kraftstoffeffizienz, bei maßgeschneiderten Produkten und Technologien für wichtige Wachstumsmärkte sowie bei Nachfolgegenerationen für bestehende Produkte. Bei Mercedes-Benz Vans standen die Aufwendungen für die Nachfolgegeneration des Sprinter, die Portfolioerweiterung in Form des Pickup X-Klasse sowie die Weiterentwicklung von Vito und V-Klasse im Vordergrund. Das Geschäftsfeld ­Daimler Buses hat seine Entwicklungsaktivitäten vor allem auf neue Produkte, die Erfüllung künftiger Abgasnormen sowie die weitere Verringerung des Kraftstoffverbrauchs konzentriert. Eine wichtige Rolle spielten außerdem alternative Antriebssysteme, insbesondere die Elektrifizierung. (Vgl. Abbildung B.36 und Tabelle B.37)

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