Geschäftsbericht 2017

Menschenrechts-Compliance

Bereits seit 2008 beschäftigen wir uns mit einem unternehmensspezifischen Menschenrechtsansatz. 2011 haben wir begonnen, hierfür einen systematischen Due-Diligence-Ansatz für unser Unternehmen zu entwickeln, zunächst auf Basis des Human Rights Compliance Assessments des Danish Institute for Human Rights. Seit 2015 arbeiten wir mit einer eigens entwickelten und Daimler-spezifischen Methode, dem Daimler Human Rights Respect System (HRRS).

Auch in unserer konzernweiten Nachhaltigkeitsstrategie bildet die Achtung der Menschenrechte eines der zentralen Fokus­themen. Es ist unser Anspruch, bestmöglich dafür zu sorgen, dass diese elementaren Rechte in unseren Einheiten, bei unseren Partnern und bei unseren Zulieferern respektiert und eingehalten werden. Die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und der Deutsche Nationale Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte definieren hierzu Sorgfaltspflichten oder Prinzipien. Diesen Pflichten wollen wir nachkommen und bauen für deren Befolgung unter regelmäßiger Konsultation externer Stakeholder sukzessive unser Human Rights Respect System (HRRS) als Due-Diligence-Ansatz aus. Als proaktives Risikomanagementsystem für Menschenrechte zielt das HRRS darauf ab, systemische Risiken und mögliche negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und möglichst zu vermeiden. Damit dient das HRRS primär dem Schutz Dritter und soll auch in unsere Lieferkette hinein wirksam sein. Neben gesetzlichen Regeln orientieren wir uns unter anderem an multinationalen Initiativen und Rahmenwerken, insbesondere den UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte und den Prinzipien des UN Global Compact. Im Sinne des dort formulierten Anspruchs einer Menschenrechts-Policy haben wir unsere Erwartungen an alle unsere Mitarbeiter und Geschäftspartner klar definiert. Sie sind in unserer Richtlinie für integres Verhalten, in den Supplier Sustainability Standards und in den Zuliefererverträgen festgeschrieben. Verantwortlich für Menschenrechtsfragen ist das Vorstandsressort Integrität und Recht.

Das HRRS orientiert sich an unserem konzernweit gültigen Compliance Management System (CMS) und fokussiert sich anhand eines risikobasierten Vorgehens vor allem auf Daimler-Mehrheitsbeteiligungen inklusive unserer Produktionsstandorte und auf unsere Lieferkette. Zum HRRS gehört auch der Austausch mit den sogenannten Rechteinhabern, zum Beispiel mit Mitarbeitern und deren Vertretern.

Wir entwickeln das HRRS laufend weiter, um es Schritt für Schritt zu implementieren. So haben wir in den vergangenen zwei Jahren zwei Pilotprojekte zum HRRS für Daimler-Mehrheitsbeteiligungen an unseren internationalen Standorten durchgeführt und in der Folge vor Ort nach Bedarf Verbesserungsmaßnahmen angestoßen sowie Best Practices für andere Standorte identifiziert. Auch konnten wir die Systematik, mit der wir alle Daimler-Mehrheitsbeteiligungen nach Menschenrechtsrisiken klassifizieren, weiter verbessern. Wir arbeiten darauf hin, das HRRS für Daimler-Mehrheitsbeteiligungen bis 2020 an allen Standorten zu etablieren und den schon bestehenden dezentralen Maßnahmen zur Einhaltung der Menschenrechte ein dediziertes System zur Seite zu stellen.

Due Diligence mit dem Human Rights Respect System

Das HRRS zielt darauf ab, systemische Risiken und mögliche potenzielle negative Auswirkungen unseres unternehmerischen Handelns auf die Achtung der Menschenrechte frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Es umfasst vier Schritte, die sowohl auf die Daimler-Mehrheitsbeteiligungen als auch auf die Lieferkette angewendet werden sollen:

1. Potenzielle Menschenrechtsrisiken identifizieren (Risiko­prüfung)

2. Präventiv- und Gegenmaßnahmen definieren, einleiten und steuern (Programmsteuerung)

3. Die Effektivität der Maßnahmen, insbesondere in Hochrisikoeinheiten und Lieferketten mit hohen menschenrechtlichen Risiken, überwachen (Monitoring)

4. Regelmäßig intern über relevante Fragen berichten und zugleich externe Berichtsanforderungen erfüllen (Reporting)

Identifizierung von Menschenrechtsrisiken in Daimler-Mehrheitsbeteiligungen

Die Risikoprüfung erfolgt in einem zweistufigen Prozess. Die Klassifizierung der Mehrheitsbeteiligungen auf Basis von festgelegten Kriterien wie landesspezifischen und geschäftsspezifischen Risiken bildet den ersten Schritt. Im zweiten Verfahrensschritt sieht die Methodik vor, Einheiten mit erhöhtem Menschenrechtsrisiko Vor-Ort-Überprüfungen zu unterziehen. Hierfür wurde ein modularer Ansatz entwickelt, der es erlaubt, bei der Prüfung die zentralen menschenrechtlichen Normen abzudecken, die sich etwa aus der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte oder den Kernnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) ergeben.

Im Jahr 2017 haben wir unser bisheriges zweistufiges Verfahren zur Risikoprüfung auf Basis der Erfahrungen aus Pilotprojekten methodisch angepasst. Außerdem wurden das HRRS im Allgemeinen sowie unsere Methodik der Risikoprüfung im Besonderen durch externe Stakeholder verifiziert. Dabei erhielten wir wertvolle Vorschläge zur Anpassung und Erweiterung des Systems. Zudem erarbeiten wir derzeit einen effektiven Ansatz für Programmsteuerung, Monitoring und Reporting.

Identifizierung von Menschenrechtsrisiken in unserer Lieferkette

Seit 2008 definieren wir in unseren Supplier Sustainability Standards Anforderungen an unsere Lieferanten in Bezug auf Nachhaltigkeit. Wesentliche Bestandteile sind Anforderungen zu Arbeitsbedingungen und die Einhaltung der Menschenrechte.

Um unserer menschenrechtlichen Sorgfaltspflicht noch systematischer nachzukommen, erweitern wir das HRRS sukzessive für die Lieferkette. 2017 wurden hierfür klare, auf spezifische Produktbereiche – wie zum Beispiel Produktionsmaterial oder Dienstleistungen – zugeschnittene Risikoklassifizierungen für Daimler-Lieferketten entwickelt. Hierin sind unter anderem auch potenziell konfliktbehaftete Mineralien beinhaltet. Anhand des risikobasierten Ansatzes wollen wir definieren, bei welchen Zulieferprodukten und an welchen Stellen in der tieferen Lieferkette wir zielgerichtet über unsere Direktlieferanten hinaus Maßnahmen ergreifen.

Einbinden der Unternehmensführung

Das für Integrität und Recht zuständige Vorstandsmitglied lässt sich regelmäßig über die Menschenrechtsaktivitäten informieren. Hinzu kommt die regelmäßige Berichterstattung an den Gesamtvorstand und das Corporate Sustainability Board (CSB) sowie das Procurement Council (PC) im Rahmen der Umsetzung unserer Nachhaltigkeitsstrategie.

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